Kapitel 6Der Junggeselle

Johann Peter Hebel im Gespräch mit der jungen Elisabeth Baustlicher.

Zwischen »Hebel und Vreneli« steht die Kirche

Zum Objekt

Im Juni 1822 schreibt Hebel einen zerknirschten Brief an Sophie Haufe: »Ich habe eine Frage, die Sie in einer guten Laune an mich gethan haben, nicht aufgenommen, wie ich sie hätte sollen aufnehmen. Ich bin – gerade herausgesagt – unartig gegen Sie geworden. Es ist ein schweres Geständniß, das ich Ihnen ablege, aber ein gerechtes. Jener Augenblick hat mir den Rest unsers Beisammenseyns verbittert, u. alle schönen Stunden, die ihm vorangiengen in einen halben Hintergrund gestellt«. (Z 479)

Wir wissen nicht, womit seine 26 Jahre jüngere Freundin ihm hier zu nahe getreten ist, aber wir beobachten das für Hebel typische Distanzhalten in seinen Beziehungen zu Frauen. So blieb auch das offene Wort, mit dem er sich vielleicht Gustave Fecht hätte verbinden können, zeit seines Lebens ungesagt. Und so rumorte die Leidenschaft für die Schauspielerin Henriette Hendel lediglich im Verborgenen. »Hebel war nie, was man ausgelassen heißt«, schreibt Sophie in ihren Zeit- und Hebelerinnerungen, »sondern bewahrte immer eine gewisse Gravität; seine Bewegungen hatten immer das gleiche Maß; wenn ihm aber ein Spaß einfiel, so bewegten sich seine Gesichtsmuskeln recht lebhaft …« (ZHE 59).