Kapitel 5Der Proteuser

Christian Meichelts Zeichnung des Proteuserbunds neben Hebels dreibalkigem Pi auf einem handschriftlichen Dokument.

Aquarellierte Federzeichnung des Proteuserbunds von Christian Meichelt, 1812. Weist die Position von Hebels Unterschrift darauf hin, dass er als vierter von links abgebildet ist?

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Hebels rotes Wachssiegel mit dem Proteus-Symbol
Hebels Wachssiegel mit dem Proteus-Symbol

In den 1780er Jahren war Hebel Präzeptoratsvikar (Hilfslehrer, der gleichzeitig predigtdienstliche Aufgaben übernimmt) in Lörrach. In dieser Zeit gründete er mit Freunden einen spaßhaften Geheimbund, der sich einem ironischen Kult um den heidnischen Meergott Proteus verschrieben hatte. Als Zentrum dieses Kults bekam Proteus seine eigene Chiffre, ein griechisches Pi mit drei statt zwei Abstrichen: .

In jenen Jahren war Hebels Lage alles andere als rosig. Seine Arbeit wurde eher kümmerlich entlohnt und sein Wirken schien nicht recht anerkannt zu werden. Jahrelang blieb er auf seiner Hilfslehrerstelle sitzen, während Altersgenossen beruflich an ihm vorbeizogen. Da half es, sich an einem Fantasieprodukt schadlos zu halten, das einerseits weniger grimmig war als die Wirklichkeit und es andererseits erlaubte, im Scherz von der eigenen Lebensrealität zu erzählen. Denn Proteus ist das immaterielle Nichts, folglich ist das Gold als das schwerste Metall im Rahmen der proteusischen Weltsicht das unedelste und »die ächten Verehrer des haben gewöhnlich gar keins.«