
Kapitel 2: Der Dichter
Übersetzungen der Allemannischen Gedichte
Hebels Allemannische Gedichte von Friedrich Girardet (1821)
Zum ObjektHebels »Abendstern«

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Goethe wünscht sich, die Allemannischen Gedichte mögen übersetzt werden
Zum ObjektIn seiner Anzeige der Allemannischen Gedichte äußerte Goethe den Wunsch, »daß jenes Hinderniß einer für das mittlere und niedere Deutschland seltsamen Sprech- und Schreibart einigermaßen gehoben werden möge«. Er fand rasch Gehör. Bereits zu Lebzeiten Hebels entstanden mindestens fünf vollständige Übersetzungen, ganz abgesehen von zahlreichen Einzelübersetzungen. Hebel stand den meisten dieser Versuche skeptisch gegenüber. »Vor dem Übersetzen, werde ich mich freilich, wie du auch warnest hüten. Vestigia Fellneri me terrent.« (Z 133) Die Warnung kam von Hitzig; nötig war sie kaum. Hebel war bereits durch das Beispiel des Freiburger Gymnasialprofessors Ignaz Fellner gewarnt. Dieser hatte den »Sommerabend« nach der Subskriptionsanzeige übersetzt und nach Karlsruhe geschickt (Z 75). Wie aber die Mundart nichts vertrage, »was nicht in ihr selber erzeugt u. gebohren ist« (Z 133), so erlösche umgekehrt der genuine Charakter der Oberländer Natur und Sitten in der ihnen fremden Sprache. Jede Übersetzung, so ist Hebel zu verstehen, schneidet die Sprache ab von dem Quell, dem sie entsprang und auf den sie zurückführt. Es ist bezeichnend, dass Hebels einzige eigene Übersetzung eines seiner Gedichte einer Zeit entstammt, als der »allemannische Pegasus« bereits seit längerem »nimmer fliegen« (Z 66) wollte.
Christian Heinrich Wolke

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Christian Heinrich Wolkes Übersetzung einiger Allemannischer Gedichte ins Niederdeutsche
Zum Objekt1804 verbrachte Johann Heinrich Voß eine Woche in Karlsruhe. Hebel »mußte« ihm und seiner Frau aus den Allemannischen Gedichten vorlesen. Wie er Hitzig mitteilt, riet ihm Voß, »nicht beym gemeinen Dialekt zu bleiben, sondern ihn durch das Studium u. die Vergleichung der alten allem. Schriftsteller zu veredeln, und zu seiner Ursprünglichkeit zurükzuführen«. So sei die Mundart seiner Idyllen ein »idealisches plattdeutsch«. Bei dieser Gelegenheit kam Voß auf die Verwandtschaft zwischen alemannischer und plattdeutscher Mundart zu sprechen. Alemannen und Niedersachsen seien durch hochdeutsch sprechende Stämme nur getrennt und »in der äußern Form unserer ehmals gemeinschaftlichen Sprache […] bis zur scheinbaren Unähnlichkeit von einander entfernt« worden (Z 120). Eine ausführliche Vergleichung beider Dialekte stellt Christian Heinrich Wolke anlässlich seiner Übersetzung einiger alemannischer Gedichte von Hebel ins Niederdeutsche (Sassisge) an. Es dürfte die erste Übersetzung dieser Art gewesen sein.
Johann Georg Scheffner


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Hebels Allemannische Gedichte in der Übersetzung Johann Georg Scheffners
Zum ObjektAuch Johann Georg Scheffner im fernen Königsberg erschloss sich der Reiz der Allemannischen Gedichte über seine Kenntnis des Plattdeutschen. Als er Prinzessin Friederike von Solms, die jüngere Schwester der preußischen Königin Luise, kennenlernte und von ihrer Verehrung Hebels erfuhr, versprach er ihr eine Übersetzung der Gedichte. Proben derselben erschienen 1807 in der Königsberger »Morgen-Zeitung«, 1811 dann gesammelt bei dem befreundeten Verleger Friedrich Nicolovius. Ein Exemplar ging offenbar auch nach Karlsruhe, denn im August 1811 bedankte sich Hebel für die Zusendung, allerdings nicht ohne zugleich Bedenken zu äußern. Nach seiner Überzeugung sollten die Gedichte »weniger übersezt, als neu ins Hochdeutsche hinüber gedichtet werden […]. Denn die gefällige Naivetät eines Landmädchens ist nicht mehr das, was sie war, sobald es sich in modischer Kleidung producirt« (Z 328). Das ist die Umkehrung der Kleidermetapher aus einem früheren Brief an Hitzig. Hebel reagierte dort auf Goethes Vorschlag, »schickliche Gedichte« aus dem Hochdeutschen ins Alemannische zu übersetzen, mit dem Einwand, ein solches Produkt nehme sich aus »wie ein bekannter Mann von feinem Geschmack u. Sitten«, der »auf einmal im Zwilchrock mit Orliger gefüttert« auftrete (Z 133).
Die Allemannischen Gedichte in Dresden

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Friedrich Girardets Übertragung der Allemannischen Gedichte (1821)
Zum ObjektEnde Juli 1803 teilte Hebel Hitzig mit, Ludwig Tieck habe bei einem Besuch in Heidelberg die Allemannischen Gedichte kennengelernt. Er finde sie schön und wolle sie übersetzen (Z 95). Vermutlich stammt die Nachricht von dem Heidelberger Gymnasialprofessor Karl Philipp Kayser, mit dem Hebel korrespondierte. In dessen Tagebuchblättern findet sich ein detaillierter Bericht über Tiecks vom 14. bis 17. Juli währenden Aufenthalt. Daraus geht hervor, dass Kayser selbst es war, der Tieck ein Exemplar verschafft hatte. Im Vergleich zu Hebels Gedichten, wird Tieck zitiert, seien Vossens niederdeutsche Versuche »affectirt und am Ende plump«.
Ob Tieck es jemals unternahm, sein Vorhaben zu verwirklichen, ist nicht überliefert. Mehr als wahrscheinlich ist jedoch, dass er seinen Freundeskreis in Dresden, wo er sich nach der Reise für mehrere Monate aufhielt, mit Hebel bekannt machte und die Allemannischen Gedichte dort bereits vor Jean Pauls und Goethes Lobpreisungen zirkulierten. Es ist daher vielleicht kein Zufall, dass in der Folge gleich zwei weitere Dresdner mit Übersetzungsversuchen hervortraten: Friedrich Kind, der neben vielen anderen Werken auch das Libretto von Webers Der Freischütz verfasste, und Friedrich Girardet, der eine Predigerstelle innehatte.







